Vertrautmachen

Jedes HIPPY Programm ist angepasst an die Besonderheiten des einzelnen Standorts. Es gibt jedoch eine Reihe von Komponenten, die als Anforderungen und Bedingungen für jedes HIPPY Programm erforderlich sind. Diese Rahmenbedingungen müssen schon im Entscheidungsprozess sorgfältig beachtet werden.
Im Folgenden werden die Eckpunkte der Anforderungen und Bedingungen genauer beschrieben.

Programmumfang

Bevor man HIPPY startet, ist es wichtig die Zielgruppe zu definieren, die von dem Programm profitieren soll. Da HIPPY stadtteilorientiert arbeitet, muss das geografische Gebiet der Programmdurchführung näher bestimmt werden.

HIPPY kann auch in ländlichen Gebieten durchgeführt werden, wenn die Erreichbarkeit der Familien durch entsprechende Verkehrsmittel gesichert ist.

Mit einem HIPPY Programm sollte immer eine bestimmte Zielgruppe in einem eingegrenzten Gebiet betreut werden.
Aus wirtschaftlichen Gründen ist es empfehlenswert, HIPPY mit ca. 45 Familien (entspricht drei Gruppen) zu starten. In einem fortlaufenden Programm werden im zweiten Jahr weitere Gruppen mit vierjährigen Kindern aufgenommen. Das Programm wächst auf eine Größe von etwa 90 bis 100 Familien heran. Für ein Programm in dieser Größenordnung ist eine Koordinatorin in Vollzeitbeschäftigung erforderlich. Die Personalkosten für die Koordinatorin sind der größte Posten im Finanzierungsplan eines HIPPY Programms. Mit dem vorgeschlagenen Modell werden die Zeitressourcen dieser pädagogischen Fachkraft optimal genutzt und die Betreuungskosten pro Familie möglichst gering gehalten.
Auch für ein Programm mit nur zwei Gruppen (ca. 30 Familien) sollte mindestens eine halbe Personalstelle für die Koordination eingesetzt werden, die Betreuungskosten pro Familie erhöhen sich dadurch entsprechend.

Dauer des Programms

Das HIPPY Programm ist auf eine Dauer von zwei Jahren angelegt. Es beginnt, wenn die Kinder vier Jahre alt sind und endet mit deren Einschulung. HIPPY ist dann besonders erfolgreich, wenn die Familien tatsächlich zwei Jahre im Programm bleiben.

Nehmen die Familien nur an dem Programmjahr für Vierjährige teil, profitieren sie nicht von den Elementen im Programm, die gezielt den Übergang vom Kindergarten in die Schule thematisieren. Ein wichtiges Ziel von HIPPY ist die Einbeziehung der Eltern in die Bildungsarbeit der Schule.

Ein Einstieg in das zweite Programmjahr (für Fünfjährige) ist schwierig, da dieses auf den Inhalten des ersten Programmjahres aufbaut.

Ein HIPPY Jahr besteht aus 30 Wochen mit Programmaktivitäten. Der Ablauf orientiert sich am Schuljahr. Die wichtigsten Ziele von HIPPY sind die Vorbereitung der Kinder auf die Schule und die Veränderung des Erziehungsverhaltens (Stärkung der Erziehungskompetenz) der Eltern. Eltern sollen zu aktiven Partnern im Bildungssystem des Kindes werden.

HIPPY Koordinatorin

In Deutschland und in der Regel auch weltweit wird HIPPY von Frauen koordiniert. Für diese Aufgabe ist ein Hochschul- oder Fachhochschulabschluss im Bereich Pädagogik oder Sozialpädagogik wünschenswert. Des Weiteren sollte die Koordinatorin Erfahrungen in der Vorschulpädagogik, der Erwachsenenbildung und der interkulturellen Arbeit haben. Um das Programm erfolgreich durchführen zu können, sind Team- und Kommunikationsfähigkeit, Frustrationstoleranz, Empathie für die Familien, administrative und organisatorische Fähigkeiten sowie ein sicheres öffentliches Auftreten Voraussetzung.

Nach Einführung eines Programms kann eine Koordinatorin mit einer Vollzeitanstellung sechs HIPPY Gruppen betreuen. In der Anfangsphase nehmen die Öffentlichkeitsarbeit und der Aufbau eines Netzwerkes viel Zeit in Anspruch, es können deshalb nur entsprechend weniger Gruppen betreut werden.

Die Koordinatorin ist verpflichtet, vor dem Start eines HIPPY-Programms an einer Schulung teilzunehmen. Das gleiche gilt für eine neue Koordinatorin, die in einem bereits bestehenden Programm mit der Arbeit beginnen will. Die HIPPY-Schulung dauert vier Tage und bearbeitet alle Aspekte, die zur Koordination eines Programms gehören.

HIPPY Hausbesucherin

Die Anstellung von Hausbesucherinnen ist eine Voraussetzung zur Durchführung von HIPPY. Sie sind das Bindeglied zwischen den Familien und der Koordinatorin. Die wichtigsten Anforderungen an eine Hausbesucherin sind, dass

  • sie aus der Zielgruppe kommt
  • sie selbst Mutter ist und das Programm auch mit ihrem Kind macht bzw. gemacht hat
  • sie Freude am Umgang mit Menschen hat
  • sie ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein zeigt
  • sie gute deutsche Sprachkenntnisse besitzt
  • sie über gute Lesefähigkeit verfügt
  • sie bereit ist, über Erziehungsfragen zu reflektieren und sich Wissen darüber anzueignen

Weitere Anforderungen kann der Träger entsprechend der besonderen Erfordernisse vor Ort festlegen. Hausbesucherinnen sind Laien, die vor ihrem Einsatz im Programm geschult werden. Während ihres Einsatzes werden sie in wöchentlichen Anleitungen durch die Koordinatorin auf die Aufgaben der kommenden Woche vorbereitet und die Arbeit der vorangegangenen Woche wird besprochen.

Zur fachlichen Weiterbildung der Hausbesucherinnen finden zweimal im Programmjahr mehrtägige Fortbildungsveranstaltungen statt. Die Teilnahme ist für die Hausbesucherinnen verpflichtend.

Hausbesucherinnen besuchen die Familien, die am Programm teilnehmen, jede zweite Woche zu Hause, bringen das HIPPY Material der Woche und weisen die Eltern in den Umgang damit ein. Die Lehrmethode ist das Rollenspiel.

Bei den zweimal im Monat stattfindenden Gruppentreffen mit den Müttern übernehmen die Hausbesucherinnen organisatorische Aufgaben und leiten die Einweisung ins HIPPY Material. Die Koordinatorin leitet die Gruppentreffen und bestimmt somit auch, welche zusätzlichen Bereiche von der Hausbesucherin übernommen werden können.

Die Vorbereitung und Zusammenstellung der Materialien für die Wochenaktivitäten gehören in den Verantwortungsbereich der Hausbesucherinnen.

Die besondere Rolle der Hausbesucherin in dem Programm ergibt sich aus dem Laienstatus, der Zugehörigkeit zur betreuten Gruppe und den Erfahrungen, die sie mit ihrem eigenen Kind und dem Programm gemacht hat.

Dies alles sind beste Voraussetzungen dafür, dass die Hausbesucherin für die Programmteilnehmerinnen eine wichtige Vorbildfunktion einnimmt. Die Wertschätzung der Herkunftskultur ist eine wichtige Basis für den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Eltern und Hausbesucherin. Diese Beziehung wirkt sich günstig auf die erfolgreiche Durchführung des Programms aus.

Die Zweisprachigkeit (Herkunftssprache der Zielgruppe und Deutsch) und die Vertrautheit der Hausbesucherinnen mit der Alltagskultur der Zielgruppe sind die wichtigsten Komponenten der interkulturellen Kompetenz eines HIPPY Teams.

Kommunikationsmöglichkeiten in den Herkunftssprachen von MigrantInnen und ein multinationales Mitarbeiterteam sind vertrauensweckende Signale an Migrantenfamilien. Die langjährige Erfahrung in Deutschland hat gezeigt, das HIPPY von Eltern mit Migrationshintergrund sehr gut angenommen wird. Hausbesucherinnen sollten über die gesamte Laufzeit einer HIPPY Gruppe (18 Monate) angestellt werden. Die Wochenarbeitszeit richtet sich nach der Größe der Gruppe. Bei 16 Wochenstunden können 12 bis 15 Familien betreut werden.

Die Modelle, wie Hausbesucherinnen angestellt werden, sind höchst unterschiedlich. Gegenwärtig praktizierte Modelle sind:

  • Geringfügig Beschäftigte
  • Stundenbasis gemäß BAT
  • Praktikantenverträge

Bei der Überlegung, wie man Hausbesucherinnen anstellen bzw. finanzieren möchte, ist folgendes zu beachten:
Die Aufgabe einer Hausbesucherin kann nur von Müttern aus der Zielgruppe übernommen werden. Das Modell, Hausbesucherinnen als Praktikantinnen anzustellen, ist aus der Erfahrung entstanden, dass mit der Tätigkeit als HIPPY Hausbesucherin Schlüsselqualifikationen für den Einstieg ins Berufsleben bzw. in eine berufliche Ausbildung erworben werden. Bei einer Anstellung als Praktikantin werden HIPPY Hausbesucherinnen zusätzlich im Umgang mit dem Computer geschult und auf die Bewerbungssituation vorbereitet. Die Anstellung als Praktikantin ist ein sozialversicherungspflichtiges Anstellungsverhältnis.

HIPPY Lehrmethode

HIPPY setzt das Rollenspiel als Lehrmethode ein. Im Anleitungstreffen werden die Hausbesucherinnen mittels Rollenspiel mit den Aktivitäten der kommenden Woche vertraut gemacht. Die Hausbesucherinnen benutzen in ihrer Arbeit mit den Müttern die gleiche Methode der Einweisung im Umgang mit dem HIPPY Material.

Das Rollenspiel schafft eine angenehme, angstfreie Atmosphäre, in der auch Fehler passieren dürfen. Durch das Rollenspiel können Eltern Sicherheit im Umgang mit dem HIPPY Material entwickeln. Ein sicherer Umgang mit den Programmaktivitäten ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Eltern im Programm bleiben und mit Begeisterung an der Entwicklung der Fähigkeiten ihrer Kinder mitwirken. Rollenspiele machen Eltern und Kindern Spaß.

Das Rollenspiel bei HIPPY verläuft in folgenden Schritten:

  1. Die Koordinatorin übt im Rollenspiel die Programmaktivitäten der Woche mit den Hausbesucherinnen. Sie erklärt den Sinn der Aktivitäten und was die Kinder dabei lernen.
  2. Jede Hausbesucherin geht das Material mit ihrem eigenen Kind zuhause durch und sammelt eigene Erfahrungen.
  3. Die Hausbesucherin übt im Rollenspiel mit dem anwesenden Elternteil zu Hause das Programm der Woche. Die Aufgabe der Eltern ist es dann, an fünf Tagen in der Woche je fünfzehn bis zwanzig Minuten mit ihren Kindern die Aktivitäten durchzuspielen.

HIPPY Gruppentreffen

Zweimal im Monat finden für die HIPPY Eltern Gruppentreffen statt. Die Gruppentreffen beginnen im dritten Monat des ersten Programmjahres. Bis zum Start der Gruppentreffen besuchen die Hausbesucherinnen die Familien wöchentlich. Somit kann ein Vertrauensverhältnis zwischen Hausbesucherin und Eltern aufgebaut werden und die Eltern können durch mehrwöchige Programmerfahrung Sicherheit im Umgang mit dem Programmaktivitäten gewinnen.

Gruppentreffen bieten den Eltern die Möglichkeit sich gegenseitig kennen zu lernen, ihre Erfahrungen mit HIPPY auszutauschen und voneinander zu lernen. Durch den Besuch der Gruppentreffen können Freundschaften mit anderen Müttern aus dem Stadtteil entstehen. Vor allem für nicht berufstätige Mütter bieten Gruppentreffen eine Möglichkeit aus ihrer sozialen Isolation herauszukommen. Der Ort der Gruppentreffen sollte für alle TeilnehmerInnen gut erreichbar sein. Ideal ist es, wenn man zu Fuß gehen kann, falls dies nicht möglich ist, sollte eine gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gewährleistet sein.

Für Gruppentreffen eignen sich am besten Räumlichkeiten, die der Gruppe vertraut sind. Gute Erfahrungen wurden mit Familienbildungsstätten, Stadtteiltreffs für Familien, Räumlichkeiten in Kindertagesstätten oder Schulen gemacht.

Die Gruppentreffen dauern zwei Stunden. In der ersten Stunde berichten die Eltern über die Lernerfahrungen der letzten Woche. Die Koordinatorin leitet dieses Gespräch und gibt Feedback.

Anschließend wird im Rollenspiel der Umgang mit den Programmaktivitäten der kommenden Woche eingeübt. Das Rollenspiel wird in der Regel von der Hausbesucherin angeleitet. In der zweiten Stunde werden Fragen der Eltern aufgegriffen und diskutiert. Häufig kommen die Themen aus dem Bereich Erziehung und Bildung, Gesundheit sowie die Vorstellung von Einrichtungen für Familien im Stadtteil. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass die Fragen der Eltern Vorrang genießen, aktuelle Anliegen haben hohe Priorität.

Zur Bearbeitung von sehr speziellen Themen hat es sich bewährt, ReferentInnen von außen einzuladen; ansonsten übernimmt die Koordinatorin diese Aufgabe.

Wichtig für die Durchführung ist, Bildungsinhalte interaktiv nahe zu bringen. Neben den Informationen zum Thema muss immer genug Raum für Fragen und Erfahrungsaustausch sein.

Dokumentation

Die Abläufe des Programms werden durch eine Reihe von Berichten und Gesprächsprotokollen von der Koordinatorin und der Hausbesucherin dokumentiert.

Für diese Berichte und Protokolle gibt es Formulare, die für alle Abläufe gleiche Daten abfragen. Diese Sammlung von spezifischen Daten können als Nachweis für geleistete Hausbesuche und Gruppentreffen dienen und sind gleichzeitig unerlässlich für Evaluation und Planung.

Programmkosten

Die Programmkosten richten sich nach der Anzahl teilnehmender Familien. Eine Beispielkalkulation ist auf Anfrage an HIPPY Deutschland e.V. erhältlich. Einer solchen Kostenschätzung liegen folgende Eckdaten zugrunde:

Personalkosten

  • Pädagogische Fachkraft (Koordination) sechs bis sieben Wochenstunden pro HIPPY Gruppe
  • Eine Hausbesucherin pro Gruppe mit 16 bis 18 Wochenstunden
  • Training und Fortbildung durch externe Kräfte

Sachkosten

  • HIPPY-Material
  • Lizenzgebühr
  • Miete für Büro- und Gruppenräume
  • Telefon, Kopierkosten, usw.
  • Fahrtkosten
  • Soziale Betreuung (Ausflüge, Abschlussfest, Tee/Kaffee bei Gruppentreffen)

Der höchste Kostenblock im Programm sind die Personalkosten. Zu beachten ist auch, dass die Stundenkalkulation für die Koordinatorin von sechs Wochenstunden pro HIPPY Gruppe in der Startphase nicht realistisch ist. In der Implementierungsphase hat sich eine Kalkulation von zehn Wochenstunden pro Gruppe als sinnvoll erwiesen, die dann im zweiten Jahr der Durchführung auf sechs bis sieben Wochenstunden pro Gruppe reduziert werden kann.